Mittwoch, 21. Januar 2009
Samstag, 17. Januar 2009
Heiligabend verbrachten wir mit den Kindern von Casa do Menor. Diese wurden dann alle von dem Pater mit Nikolausmütze beschenkt. Danach ging es mit dem Pater noch nach Tingua, um auch dort den Leuten „feliz Natal“ zu wünschen.

Am ersten Weihnachtsfeiertag fuhren wir nach Minas Gerais zur Fazenda Esperança. Die Fazenda Esperança ist ein Ort, an dem Drogensüchtige durch harte körperliche Arbeit und beten versuchen ihre Sucht zu überwinden. Dort inmitten dieser wunderschönen Landschaft feierten wir einen Gottesdienst mit ihnen. Außerdem hatten wir viel Zeit uns ihre Geschichten anzuhören oder einfach so ein wenig mit ihnen zu erzählen. Auf dem Hinweg blieb noch Zeit für ein Foto, vor einer Felsformation, die von Rio aussieht wie ein drohender Zeigefinger. Kaum verwunderlich, das diese den Namen „Finger Gottes“ trägt.
Sylvester verbrachte ich mit ca 2mio anderen Menschen an der Copacabana. Zum Feiern und ein unvorstellbares Feuerwerk zu bewundern. Nach Mitternacht konnte man sich dann im angenehmen Wasser des Ozeans erfrischen.

Freitag, den 2. Januar, trafen wir Martin einen Freund von Carl. Martin ist für ein Jahr Salvador. Dort werden wir ihn dann im Februar treffen und vielleicht ein paar Nächte verbringen. Der Zuckerhut war leider mit Wolken bedeckt(s Foto), sonst wären wir vielleicht hochgefahren, um den Sonnenuntergang oben zu genießen.
Sonntag, den 4. Januar, verbrachten wir auf einem Boot, das einige Inseln anfuhr. Diese Inseln waren sehr unspektakulär(siehe Foto) Dort gab es meistens nichts außer einem kleinen Strand. Es wäre schön gewesen mehr Zeit auf den Inseln zu verbringen und vielleicht ein wenig den Wald zu entdecken, aber die anderen Mitfahrer zogen die Party auf dem Boot vor. So verlief diese Bootsfahrt ein wenig anders, als wir uns das vorgestellt hatten.
Freitag, den 9. Januar, fuhren wir mit Scarlet nach Rio. Dort bewunderten wir ein Schloss in einem Park. Das Museum in dem Schloss war leider ein wenig enttäuschend. Aber der Zoo, den wir im Anschluss besuchten, war sehr interessant. Dort gab es total viele Papageien und Affen zu bestaunen. Ich liebe Affen, aber Zusehen macht neidisch und deshalb musste ich mich danach im Park austoben=)
Ansonsten habe ich weiter in Casa Angelo gearbeitet. Dort ist es sehr schön, weil ich inzwischen richtig in das Leben dort integriert bin. Leider werden sich jetzt hier einige Dinge ändern….Aber erst im März, nach meinem Aufenthalt in Salvador und Carneval in Rio.
soweit liebe Grüße...ich werde mich jetzt wieder regelmäßiger melden
Basti
Samstag, 3. Januar 2009
Jeder kennt dieses Gefühl eines langweiligen, normalen Wochenendes. Mit diesem Gefühl bin ich auch am Samstagmorgen aufgewacht. Den Samstagvormittag verbrachte ich mit den Kindern in der CIDAH. Zum Mittagessen ging es dann nach Casa Angelo, wo ich auch nachmittags blieb. Dort war es aber eher ruhig, weil die Kinder mit Gamecube spielen beschäftigt waren. Um 4Uhr gehe ich samstags immer Fußball spielen, aber aus irgendeinem Grund fiel es aus. Als ich dann enttäuscht in die Pousada zurückkehrte fand ich dort Carl und den Capoeiralehrer der CIDAH, Rildson, vor. Dieser lud uns dann auf eine Hochzeit ein. Wir waren uns nicht so sicher, weil wir die Leute gar nicht kannten. Aber wir haben uns gedacht kann ja lustig werden und wann kommt man schon mal auf eine brasilianische Hochzeit?! Also gings los nach St. Rita, wo wir das Haus beziehungweise Zimmer bestaunen konnten, in dem er wohnt. Dann sind wir ca. 2 Stunden oder länger durch den Ort gelaufen und haben mit Leuten erzählt, seine Eltern besucht, jemanden abholen wollen….Als wir dann bei der Hochzeit ankamen war die Party schon im Gange. Es war auch glücklicherweise kein Problem, dass wir mehr oder weniger uneingeladen dort waren. Es war eigentlich recht lustig da, wurde aber dann auch irgendwann ganz schön spät und wir wollten gerne nach Hause. Bis wir dann aber mit kleinen Verzögerungen wieder in der Pousada waren war es halb vier…
Sonntag 10Uhr klingelt der Wecker und schmeißt uns aus dem Bett. Schnell, schnell geduscht und wieder nach St. Rita gefahren. Dort hat Rildson seine Capoeirasachen eingepackt und dann haben wir uns mit einem Mann getroffen, den wir auf der Hochzeit kennen gelernt haben. Dieser Mann wohnt in Rio in einer Favela und hat uns zu einer „roda de Capoeira“ dort eingeladen.
Ich habe an diesem Tag so viel gesehen und erlebt dass ich gar nicht richtig beschreiben kann. Normalerweise hat man diese Chance eine Favela zu sehen nicht. Denn Favelas sind Orte abgeschnitten von der öffentlichen Regierung. Die örtliche Mafia hat dort die Kontrolle übernommen. Die ist auch überall präsent und nicht zu übersehen. In den Favelas leben die ganz armen Leute auf engstem Raum zusammen. Eine Favela ist ein Gewirr aus Häusern, engsten Gassen, Innenhöfen und Treppen. Für Ortsfremde quasi ein Labyrinth. Deshalb traut sich die Polizei auch nicht in die Favelas zu gehen.
Es hat viel Spaß gemacht die Capoeirakämpfe zu beobachten und ich habe mich entschlossen auch mit Capoeira anzufangen. Ich hatte leider keine Kamera dabei um Bilder zu machen, weil man das in der Favela nicht darf. Nach dem Capoeira wurden wir noch eingeladen um mit den Leuten noch etwas zu essen und zu trinken. Also ging es los durch das Labyrinth von Häusern, bis wir schließlich in einen ganz kleinen Innenhof zwischen aufgehängter Wäsche standen. Doch dann entschlossen sich die Leute die Feier auf dem Dach des nebenstehenden Gebäudes fortzusetzen, weil dort mehr Platz war. Dort war es dann echt lustig. Man konnte von dem 3-stöckigen, bestimmt ohne Architket gebauten Haus, den Sonnenuntergang, bei Musik und Scherzen, mit Ausblick über die Favela und einen Teil Rios, genießen. Leider mussten wir als das Grillen auf dem Dach anfing den Mann darauf drängen, dass wir gerne gehen möchten, denn die Heimfahrt dauert doch noch ein wenig länger.
Dieser Tag war sehr interessant. Auf der einen Seite die Lebensfreude der Leute, der Spaß bei Capoeira, die Gastfreundschaft. Auf der anderen Seite die krasse Armut, die schlimmen Wohnverhältnisse, außerdem viele entweder von Alkohol oder Drogen benebelte Leute. Am schlimmsten aber die Mafia, die Verherrlichung der Gewalt. Jungs jünger als ich mit schnellen, teuren Motorrädern, lässig die Pistole in der Hose und die Goldkette am Hals. Männer, die mit Sturmgewehren und Handgranaten am Rande der Straße auf Stühlen sitzen und Churrasco essen, wo 10m daneben die Kinder Fußball spielen….ich kann diese Dinge immer noch nicht ganz in Worte fassen…
Liebe Grüße Basti
P.S. Macht euch keine Sorgen! Wir waren mit absolut zuverlässigen Leuten da und hatten nach einem kurzen Kopfnicken auch die Erlaubnis der Mafia. Wer sich entscheidet nach Rio zu kommen und hier zu wohnen, ich habe ein Schild gesehen: „Verkaufe Haus 2 Zimmer, Wohnzimmer, Küche, Badezimmer für 5000€“ Vielleicht sieht man am Preis des Hauses wie arm diese Menschen sind.
Alles was ich jetzt schreiben werde sind meine eigenen Erfahrungen und soll keine Verallgemeinerung sein.
Die Unterschiede, im Verhalten auf der Straße, sind für mich zum Alltag geworden. Doch ich erinnere mich noch sehr gut an meine Ankunft in Rio de Janeiro. Nach einem 10 stündigen Flug ging das Abenteuer auf der Autobahn weiter. Mir fällt dazu nur ein Zitat aus dem Reiseführer über Rio ein: „Brazilian drivers have won more Formula One world championships than any other nationality, a fact that probably won’t surprise anyone who rents a car for the weekend“. Straßenregeln hier sind soweit glaube ich ziemlich vergleichbar mit den deutschen, auch wenn man das Gefühl hat, es gäbe keine.
Eines der wichtigsten Teile am Auto ist, wenn man Fahrt aufgenommen hat, die Hupe. Brasilianer fahren sehr kommunikativ Auto und um sich zu verständigen wird die Hupe benutzt.
- Man kann sie als Warnung nutzen. Wenn man jetzt auf eine Kreuzung zufährt hupt man 1 bis 2 mal laut, dabei wird die Geschwindigkeit auf keinen Fall verringert und anschließend kann man ohne einen Seitenblick die Kreuzung passieren. Wenn jetzt zufälligerweise 2 Autos gleichzeitig hupen, dann bremsen beide.
- Man kann als Fußgänger dauerhaft auf der Straße laufen, sollte ein Auto kommen, dann hört man es meistens weil es ein wenig älter ist und ansonsten wird man durch ein leises Hupen kurz darauf aufmerksam gemacht.
- Verspürt ein Motorradfahrer, auf der Autobahn, die Lust ein wenig schneller als der restliche Verkehr zu fahren, dann benutzt er die Fahrbahnmarkierung(falls es eine gibt) und fährt zwischen den Autos durch. Um auf sich aufmerksam zu machen, dass keiner in dem Moment die Spur wechselt, wird einfach dauerhaft gehupt.
- Taxifahrer hupen nachts auch wenn sie über eine grüne Ampel fahren. So wissen die Leute, die über die rote Ampel fahren, dass sie warten müssen.
- Ohne die Hupe würde es hier dauerhaft Unfälle geben. Die Hupe gleicht das aus, was an Straßenregeln nicht beachtet wird. Bis jetzt habe ich auch noch keinen Unfall gesehen, es scheint gut zu funktionieren.
Die Autos hier sind ganz unterschiedlich. Man muss aber auch dazu bemerken, dass ich hier in einer ganz armen Gegend wohne. Hier mischen sich Autos von heute, mit denen von vor 30 Jahren. Gerade heute bin ich an einem Auto von 1976 vorbeigelaufen, das verkauft wird. Auch Käfer sind hier keine Seltenheit. Man sieht aber wenige große Autos. Die meisten Autos sind so groß wie Gols(hier fährt man VW Gol) und Corsas. Die beiden meistvertretenen Automarken sind VW und Chevrolet, dann kommt Ford. Wobei man dazusagen muss, dass Chevrolet dasselbe ist wie Opel bei uns. Gleiche Modelle, gleiche Namen, gleiches Aussehen, nur das Zeichen ist anders. Auch die Motorräder sind nicht die neuesten Maschinen. Teilweise sind die Motorräder und Autos in recht erbärmlichen Zustand und man wundert sich, dass sie sich überhaupt noch von der Stelle bewegen. Aber hier scheint es keinen TÜV zu geben, denn sonst wären die Straßen leer. Denn man sieht auch teilweise Autos ohne Reifenprofil oder ähnliches. Was aber jedes Auto haben muss ist eine gute Musikanlage, denn hier ist schließlich immer warm. Wenn warm ist fährt man mit offenem Fenster und dann soll auch jeder an dem man vorbeifährt die Musik mithören können, das ist in Deutschland ja auch keine Seltenheit. Was man hier auch ganz oft sieht, sind ganze Boxenanlagen in oder auf dem Auto. Diese eignen sich für viele Zwecke: Man kann damit durch die Gegend fahren und laut Musik hören, man kann für einen Supermarkt oder ein Fest laut Werbung spielen oder man kann bei einer Straßenparty die ganze Nachbarschaft unterhalten. Aber auch auf manchen rollern sitzt man wie auf einem Motorrad, weil der Fußraum einer großen Box weichen musste, oder die Box wird einfach hintendrauf geschnallt.
Auf den Straßen hier sind alle 100m Hubbel um die Autos abzubremsen. Wenn man diese Hubbel schnell überfahren will, dann leidet der Unterboden des Autos oder die Köpfe der mitfahrer. Doch wer sagt, dass man zwischen diesen Hubbeln nicht immer wieder auf unvorstellbare Geschwindigkeiten beschleunigen kann? Außerdem sind die Straßen relativ staubig, vielleicht weil es auch unasphaltierte Straßen gibt. Dieser Staub kann den Bremsweg schon mal um einiges verlängern. Aber außer für die Hubbel braucht man die Bremse nicht. Sollte einer der Straßenhunde nicht aus dem Weg gehen, dumm gelaufen. Bei Menschen ist es vielleicht genauso, aber die sind intelligent genug auf den Verkehr zu achten.
Hier fahren nicht nur die Autos mit Alkohol, sondern auch die Fahrer und deshalb sollte man sich nachts oder am Wochenende von den Straßen fernhalten. Aber nachts sind die Straßen generell sehr gefährlich, da viele der Autofahrer auch ohne Licht fahren. Das hat mehrere Gründe, teilweise kaputte Lichter, andere Autos haben kleine LED-Leuchten(vielleicht ist das cool, aber sicher nicht hell) und die letzten schalten das Licht einfach nicht an. Ein Ersatz für kaputte Lichter kann aber auch die Warnblinkanlage sein.
Ansonsten sieht man hier täglich Dinge, die für uns ein wenig ungewohnt sind. Zum Beispiel schnallt sich hier niemand an und auf dem Motorrad benutzt man keinen Helm und keine Sicherheitskleidung(dafür ist es zu warm). Sollte sich auf der 3 spurigen Autobahn ein Stau oder stockender Verkehr bilden strömen von allen Seiten Verkäufer an, die zwischen den Autos laufen und Süßigkeiten und Trinken verkaufen. Besonders beliebt sind da Baustellen, weil dort regelmäßig Staus entstehen. Wenn es regnet, dann sieht man Leute die mit offenem Fenster fahren, um den Arm als Scheibenwischer benutzen zu können. Oder jemand auf der Hauptstraße benötigt ein paar Leute um das Auto, das gerade ausgegangen ist und sich nicht mehr starten lässt, an den Straßenrand zu schieben.( Aber manche Autos in Deutschland gehen ja auch einfach so aus, oder wie war das Flo B.?) Grade gestern habe ich einen Mann gesehen der seinen ca. 2 Jahre alten Sohn auf dem Fahrrad mitgenommen hat. Da er aber keinen Gepäckträger hatte saß der Junge auf den Schultern des Mannes. Festhalten konnte der Mann den jungen aber nicht, denn er braucht ja 2 Hände am Lenker. Ansonsten sieht man hier alles was man sich auch in Deutschland vorstellen könnte, wenn die Polizei nicht kontrollieren oder sich drum kümmern würde. Von 5 Leuten oder minderjährigen Kindern auf einem Motorrad…
Ich hoffe man kann sich ein bisschen vorstellen was ich meine, es ist nicht sehr einfach zu beschreiben so was muss man einfach erleben. Was ich aber komischerweise noch nicht gesehen habe ist ein Unfall, auch wenn ich mehrmals gedacht habe jetzt krachts.
Liebe Grüße Basti
Entschuldigung, dass die Weihnachtsgeschichte erst jetzt kommt, dafür gibt’s aber auch direkt einen Blogeintrag zusätzlich…s.o.
Mittwoch, 24. Dezember 2008
Freitag, 19. Dezember 2008
Geschichten von Festen, Regen und einem besserem Leben.
„Boas Festas“(schöne Feste) wünschen die Medien, die Busse und die Einkaufsläden. Ein deutscher Freiwilliger denkt sich dabei nicht viel. Weihnachten und Sylvester sind 2 Feste, also Mehrzahl. Dass es nicht so kommt war ja klar….Ich sitze gerade hier und freue mich riesig, heute frei zu haben, denn heute ist eines dieser Feste. Weihnachtsfeier könnte man das in Deutschland nennen, aber es ist nicht dasselbe. Vielleicht bin ich auch einfach nur von dem ersten Fest geschockt und kann mich deshalb nicht ganz für die anderen begeistern. Das erste Fest fand hier statt:
Schick, oder? (Crianças = Kinder) Dort waren wir mit den ganzen Leuten von Casa do Menor. Vielleicht muss man dazu sagen, dass es den Kindern riesig viel Spaß gemacht hat und schließlich ist das ja der Sinn. Drinnen gab es alles was ein Kinderherz begehrt: Kletterwand, Rutschen, Bälleparadies, Videospiele, Kicker, Karussell und vieles mehr….Anschließend kam Papãe Noël und hat jedem Kind noch etwas geschenkt. Für die Jungs gab es Autos und für die Mädchen Puppen. Manche der Kinder aus Casa Angelo haben es richtig gemacht und das noch verpackte Auto direkt verkauft oder getauscht. So kann Einer jetzt ein Mountainbike sein Eigentum nennen, ein Anderer hat eine neue Hose…Das hier sind die Kinder mit den Geschenken und Papa Noël vor schickem Hintergrund…
Der Junge auf der linken Seite mit dem hellblauen T-Shirt ist neu in Casa Angelo. Er ist total nett und kann auch echt coole Sachen.
Das Fest war am Donnerstag. Freitagabends bin ich mit den Italienerinnen und ein paar Brasilianern auf ein Fest gegangen, um in einen Geburtstag reinzufeiern. Samstag musste ich ganz normal arbeiten und war entsprechend müde. Doch Samstagnachmittag war ich dann auf einem Fest, von den Leuten mit denen ich Fußball spiele. Nach dem Fest ging es direkt auf ein Geburtstagsfest. Sonntagmorgen ging es wieder zum Arbeiten nach Casa Angelo. Gegen Mittag machten wir uns auf den Weg zu einem ….. Dieses Fest war von den Geldgebern von Casa do Menor organisiert. Für die Kinder wurde ein Trampolin aufgebaut, es gab Essen, Trinken, Papãe Noël, viele Fotos und einen als Affen kostümierten Mann, der die kleinen Kinder zum Weinen brachte. Sonntagabend waren dann wieder viele Leute bei uns in der Pousada, um eine Italienerin zu verabschieden. Es wurde ein wenig gegessen, erzählt, Musik gehört, getanzt und Fest gefeiert….Vielleicht kann jemand verstehen, warum ich froh bin heute frei zu haben;)
Montag und Dienstag waren dann ganz anders als die vergangene Woche. Es regnet von morgens bis abends und es ist „kalt“. Regen ist für die Brasilianer ganz schlimm und oft ein Grund das Haus nicht zu verlassen. Warum die Brasilianer so ein Problem mit Regen haben kann ich gar nicht verstehen, denn erstens ist der Regen hier angenehm und zweitens regnet es hier jährlich doppelt soviel wie in Deutschland. Dennoch habe ich auch schon von den anderen Freiwilligen gehört, dass die Kinder teilweise wegen Regens nicht in die Schule gehen. Der Tag wird dann mit Decken vor dem Fernseher verbracht. Dort kann man vormittags den Actionhelden zusehen, die täglich auf ähnliche Weise die Welt retten. Spiderman, die Transformers, Bob Esponja und viele andere Gestalten schaffen es, die Kinder zu entertainen. Mittags kann man dann ohne sich zu bewegen oder gar den Sender zu wechseln erfahren, was um einen herum passiert. Der Sender Globo fasst die neuesten Geschehnisse in Rio und dem Umkreis zusammen. So kann man sehen wie sich die Militärpolizei in Rio mal wieder eine Schießerei mit einer der Drogenmafias leistet. Oder aus Helikopterperspektive wie sich der Verkehr wegen eines Unfalls staut. Wenn dann aber das Wort Miguel Couto fällt, sehen aber alle ganz genau hin. Ein Erdrutsch, ausgelöst durch den Regen, hat irgendwo hier in der Nähe ein Haus mit 3 Leuten begraben. Nach den Nachrichten fangen dann die Telenovelas an, wo man dann von einem besseren Leben träumen kann. Im Vergleich mit diesen Telenovelas, wie zum Beispiel „Mulheres apaixonades“(verliebte Frauen), sind alle Serien, die ihr, meine lieben Mädels, in Deutschland schaut, action- und spannungsgeladene Serien. In diesen Telenovelas sind alle Leute reich, schön, schlecht im Schauspielern, perfekt und es fließen die ganze Zeit Tränen. Jeder schläft mit jedem, da die Schauspieleranzahl ja begrenzt ist, dennoch darf man keine Folge verpassen, denn sonst weiß man am nächsten Tag ja nicht was passiert ist…So kann man einen „kalten“, regnerischen Tag mit Decke vorm Fernseher verbringen…
Ihr in Deutschland habt diese Probleme mit kalt und Regen aber wahrscheinlich nicht und könnt meine Schilderungen gar nicht richtig verstehen. Dieses Jahr bekomme ich ein etwas anderes Geschenk: Den 23. Dezember. Ja dieses Jahr wird mir dieser Tag geschenkt. Die letzten Jahre habe ich diesen Tag immer gestresst, frierend, suchend, planlos und den Ladenschluss verfluchend in Mainz verbracht. Ich hoffe ihr habt dieses Problem nicht und könnt Weihnachten auf die schöne, gewohnte Art genießen. Ich bin mir immer noch nicht sicher was ich an Weihnachten mache. Wenn die Kinder von Casa Angelo nicht weggehen, dann würde ich mich freuen dort Weihnachten zu verbringen. Die Italienerinnen wollen an die Copacabana, aber ich weiß nicht so was ich davon halten soll.
Aber ich wünsche euch allen ein frohes Weihnachten, genießt die freien Tage. Den Leuten aus meiner alten Stufe wünsche ich auch viel Spaß am 23. Dez. beim Stufentreffen, wär gern dabei.
Basti
P.S. Hier ist schon der neue Blog, vergesst nicht den vorigen zu lesen;) Und denkt an die Abstimmung für die Weihnachtsgeschichte...
Montag, 15. Dezember 2008
ja wie versprochen melde ich mich bei Dir. Zuerst ein paar Fakten: Mittwoch, 10. Dezember 2008, 29,4°C im Schatten, Windstärke 2km/h, Luftfeuchtigkeit gibt’s nicht, Himmel strahlend blau, Müdigkeitsstatus mäßig, 9.31Uhr und ich habe gerade kein Knoppers gegessen… dafür war mein Frühstück aber sehr gut. Es gab dasselbe wie immer:
- weiße Brötchen
- Goiabada(ein Brotaufstrich / am Besten zu beschreiben als eine Art Marmelade / sehr lecker / sehr süß / Konsistenz: harter Wackelpudding / Form: Block, wie Käse / wird scheibenweise abgeschnitten und dann auf dem Brot verteilt oder mit viel Druck des Messers verstrichen)
- Käse( Form, Konsistenz und Aussehen genau wie Mozerella nur größer / ganz leicht salziger Geschmack / angenehm kühl)
- Kaffee (bitte nicht mit „deutschem“ Kaffe vergleichen / Geschmack: wässrig / Farbe: schwarz / heiß / enthält Koffein!!! / habe mich aber daran gewöhnt und auch keinerlei Probleme damit, liegt wahrscheinlich an der Kaffeemarke)
- Kekse(Geschmack: ähnelt dem deutschen Butterkeks / andere Form)
- Früchte(Bananen, Mangos, Maracujas, Äpfel, Ananas… / nicht importiert)
- Wasser( doppelt gefiltert / eiskalt / Geschmack: super / Zustand: kurz vor dem Übergang von flüssig zu fest / Form: variiert je nach Glas)
Mein Leben hier ist weiterhin sehr schön und jeder Tag bringt neue Überraschungen. Die neueste Überraschung ist das Pferd von Casa Angelo. Als ich gestern mit dem pai social am Kaffee trinken und Kekse essen bin, weil die Kinder noch in der Schule waren, läuft ein Pferd an uns vorbei(ich erzähl keinen vom Pferd). Ihr würdet euch vielleicht über das Pferd wundern, aber ich bin ja jetzt schon viel gewöhnt und deshalb habe ich mich über die Kekse gewundert. Warum die Kekse? Ganz einfach, die Kekse sind leicht salzig und werden normalerweise mit ein wenig Butter gegessen. Diesesmal gab es zu den Keksen aber eine selbstgemachte Paste aus Mayonaise, Thunfisch und anderen Abartigkeiten. Diese schmeckt zusammen mit dem total süßen Kaffee, morgens um 8.45Uhr, doch ein wenig gewöhnungsbedürftig;)
Hier sieht man das Pferd gerade über den Fußballplatz gallopieren, denn ab und zu spielen die Kinder mit dem Pferd fangen. Und zwar nimmt man dafür ein Stock in die Hand und versucht dem Pferd hinterher zu rennen, sieht immer recht lustig aus.
Bei Wind sieht man überall am Himmel Drachen rumfliegen, teilweise in unvorstellbaren Höhen. Diese Drachen kann man hier ganz günstig kaufen und sowohl die Kinder, als auch die Jugendlichen haben viel Spaß damit. Hier bauen die Kinder von Casa Angelo grade selbst Drachen, denn sie haben kein Geld um sich Drachen zu kaufen.
Noch mehr Spaß macht es dann natürlich die selbstgebauten Drachen steigen zu lassen.
Ich hoffe ihr könnt euch das halbwegs vorstellen…
Liebe Grüße
Basti
P.S. An Weihnachten habe ich ein Geschenk für euch und zwar eine Geschichte. Ihr könnt jetzt schon mal auswählen welche Geschichte ihr lesen wollt. Rechts auf der Seite ist eine Umfrage…es gibt „ein Brief an die globale Erwärmung“ , „typische Architektur/Häuser in Miguel Couto“ und „verrückte Brasilianer auf der Straße“
