Montag, 17. August 2009

Schon lange Zeit sitze ich vor dem Computer und überlege wie ich für Aussenstehende meine neue Arbeit am besten beschreiben kann. Für mich sind während der Zeit in Brasilien Dinge zum Alltag geworden, die für viele Menschen unvorstellbar sind. Unvorstellbar ist natürlich falsch, aber doch schwer zu verstehen. Ich kann dass gut nachvollziehen....

Als der 10-jährige Basti mit seinen Freunden über Tische und Bänke hüpft, betritt der Pfarrer, der Ober-Olmer Gemeinde, den Klassensaal und bittet um Ruhe. Eine grosse Tüte in der Hand haltend, schafft es der Pfarrer, der gleichzeitig Religionslehrer ist, die Viertklässler zu beruhigen. Der Inhalt der Tüte gehört zur MISEREOR-Fastenaktion. Es sind Bastelbögen für einen gelben Rucksack. Während die Kinder friedlich mit dem Basteln von Rucky, dem reiselustigen Rucksack, beschäftigt sind, liest der Religionslehrer eine Geschichte vor. Die Geschichte, die ich vergelblich im Internet gesucht habe, handelt von Strassenkindern in Südamerika. Die Vertklässler sind traurig, dass es Kinder, in ihrem Alter, gibt, die ohne Eltern auf der Strasse leben. Doch so wirklich verstehen können der kleine Basti und seine Freunde es nicht. Es klingt wie ein trauriges Märchen, das der Religionslehrer als Realität darstellt. Aber ein Detail entging den Ohren, der Jungs aus der vierten Klasse, nicht. Die Kinder, von denen die vorgelesene Geschichte handelt, sind dermaßen arm, dass sie ohne Schuhe auf der Strasse Fussball spielen. Also beginnen der kleine Basti und seine Freunde Geld in dem kleinen, gelben, selbstgebastelten Rucksack zu sammeln. Dieses Geld soll genutzt werden, um den Strassenkindern einen Bauchladen oder eine Kiste mit Schuhputzutensilien zu kaufen....

Dieser kleine Basti ist gewachsen und hat während seines weiteren Lebens immer mehr über Strassenkinder und ähnliche Missstände erfahren. Er hat Geschichten gelesen, Fernsehreportagen und Fotos gesehen und hat gemerkt, dass es kein Märchen ist, sondern bittere Realität. Doch diese Strassenkinder waren immer so weit entfernt, irgendwo auf der Welt.....
Heute sind diese Kinder für Basti viel präsenter und das nicht nur, weil er sie mit eigenen Augen gesehen hat. Die Touristen, die an der Copacabana den Bauch in die Sonne halten, haben diese Kinder auch gesehen und mit 99prozentiger Wahrscheinlichkeit auch ein Foto geschossen, das sie mit nach Hause nehmen und ihren Freunden zeigen. Basti arbeitet jetzt drei Tage der Woche in Casa Rafael in Lapa, nah am Centrum von Rio de Janeiro. Dieses Haus bietet Strassenkindern vormittags einen Ort, an dem sie duschen und essen können. Ausserdem gibt es auch Aktivitäten wie tanzen, Capoeira, PercussAO und Basteln. Doch ein wichtiger Teil der Arbeit ist die „Abordagem da rua“. Dort werden die Strassenkinder an ihren Schlafplätzen aufgesucht, um mit ihnen zu reden und sie zu Casa Rafael einzuladen. Das wichtigste an der Strassenarbeit ist die Präsenz. Das man täglich die Kinder aufsucht und ein wenig mit ihnen redet. So merken sie, dass sich jemand für sie interessiert und dass sie nicht alleine sind. Denn man ist sich einig, dass die Kinder auf der Strasse leben, weil sie nicht geliebt werden. Niemand tauscht eine intakte Familie gegen das Leben auf der Strasse ein....

Ich hoffe, dass ich ein wenig meiner neuen Arbeit vermitteln konnte. Die Spendengeschichte fiel mir gestern ein, als ich mit 3 Jungs, die mit ihren Schuhputzkästen ankamen, Karten gespielt habe. Diese Jungs kommen aber, wie die meisten der Engraxates( Schuhputzer), aus den Favalas und haben Familie. Strassenkinder kommen anders an Geld...
Mir macht die neue Arbeit viel Spaß, aber ich bin auch froh, dass ich erst jetzt am Ende dort arbeite, denn man sieht schon viele Dinge, die schwer zu verarbeiten sind. Mit den Sachen, die man sieht, und Geschichten, die man hört, könnte ich Seitenweise den Blog füllen.
Es gibt aber auch schöne Seiten. Gestern habe ich einer Mutter geholfen ihren Sohn zu finden. Diese Mutter war total traurig ihren Sohn an diesem Platz aufzufinden. Der elf Jahre alte Breno ist, laut Aussage seiner Mutter, bereits 20 Tage auf der Strasse. Es berührte sie sehr ihn zwischen den ganzen, sich gerade mit Kleber zudröhnenden Strassenkindern zu sehen. Sie würde ihren Sohn gerne in einem Heim sehen, doch im anschliessenden Gespräch mit Cicero, dem Verantwortlichen des Hauses in Lapa, überlegte sie sich von ihrem Freund zu trennen, der den Sohn schlecht behandelt hat. Sie sagte ihr sei der Sohn wichtiger als der Freund. Ich bin gespannt, ob es klappt.....

Samstag und Sonntag verbringe ich nun wieder in Casa Angelo, worüber ich sehr froh bin. Ich weiß nicht wann ich das letzte mal Casa Angelo in meinem Blog erwähnt habe, aber seitdem hat sich viel verändert. Dort im Haus waren 15 Jungs, jetzt sind es noch 6. Es waren schwere Zeiten....Durch ständigen Wechsel der Sozialeltern haben die Kinder Probleme gehabt. Kaum hatten sie sich an ein Elternteil gewöhnt wurde schon wieder gewechselt. Es endete im Chaos....Die Kinder machten was sie wollten. Sie fluchten, schimpften, kämpften, klauten und das ganze auch noch in der Nachbarschaft. Die Nachbarn fingen an sich zu beschweren und Drohungen auszustoßen, die Kinder fingen an abzuhauen und die Sozialeltern wechselten weiter und auch ich wurde aus dem Haus gezogen um im Kindergarten zu arbeiten. Schon nach kurzer Zeit waren es nur noch 10 Jungs im Haus (Douglas, Ruan, Paulinho, Leonardo, Jean, Lukas, Leozinho, Romario, Jefferson und Felipe) Dies sind die Jungs, die schon länger bei Casa do Menor und nicht so schnell auf die Idee kamen abzuhauen. Doch die Lage verschlimmert sich und jedesmal wenn ich zum Besuch vorbeiging fehlte ein weiteres Gesicht:
Jean wohnt jetzt bei seiner Tante in einer Favela in der Nähe von Lapa.
Leozinho und Romario sind in ein anderes Heim in Nova IguaCu versetzt worden, weil ihr Bruder(Luiz-Claudio) es nicht mehr in Casa Angelo aushielt und dort Zuflucht gesucht hatte. Aber den drei Jungs geht es gut, ich habe sie letztes Wochenende in dem Heim besucht.
Jefferson und Felipe sind gemeinsam durch das Fenster in einen Bus nach Rio geklettert und abgehauen. Felipe, der jetzt auf der Strasse wohnt, habe ich letztens in Rio getroffen und habe erfahren, dass wenigstens Jefferson nach Hause gegangen sei. Felipe hat die Möglichkeit nach Casa Angelo zurückzukehren, möchte aber lieber auf der Strasse bleiben, weil man in Casa Angelo nicht rauchen darf.
Zu guter Letzt ist auch noch Lukas abgehauen. Er war mit Abstand einer der schwierigsten Jungens dort, aber mir sehr ans Herz gewachsen. Er war es der mir am Anfang Portugiesisch beigebracht hat und mir alles gezeigt hat. Da er nicht bei seinem Onkel wohnen darf, der ganz in der Nähe wohnt, gehe ich davon aus dass er in die Favela zurückgekehrt ist. Er war, bevor er nach Casa Angelo kam, in dem Drogengeschäft der Favela verwickelt. Er erzählte, dass er mit einem Gewehr und einer Warnrakete auf die Favela aufgepasst hat. Wenn die Polizei kam hat er die Warnrakete gezündet und den anderen geholfen die Favela zu verteidigen....Deshalb fällt es mir bei ihm am schwersten zu wissen, dass er nicht mehr in Casa Angelo wohnt....

Es sind noch Paulinho, Ruan, Douglas und Leonardo geblieben. Dazu kommen noch Luiz-Carlos und Gilberto, die neu gekommen sind. Ausserdem ist jetzt bereits seit einem Monat eine neue Mae social in Casa Angelo und die Situation hat sich komplett geändert. In Casa Angelo wird momentan wieder das Prinzip von Casa do Menor gelebt: Die Häuser sollen kein Heim sein, sondern eine Familie. Es tut mir echt gut zu sehen, wie sich die Situation verbessert hat. Kein klauen, kein fluchen, kein schlagen.....Es scheint alles wie neu und es macht richtig Spaß dort wieder zu arbeiten.

Entschuldigt bitte die fehlenden Fotos in diesem Blog... Die letztens Blogs handelten immer nur von Ausflügen, aber jetzt habe ich hoffentlich alle auf den aktuellen Stand meiner Arbeit gebracht. Carl wird mich bereits am Dienstag verlassen und nach Deutschland zurückkehren. Das wird sicher schwer ohne ihn hier. Ich möchte ihm einen guten Heimflug wünschen, ich komme bald nach.......
Basti

Montag, 27. Juli 2009

So jetzt ist der Marathon lange her, aber trotzdem möchte ich ihn nochmal ansprechen. Die Spendenaktion war sehr erfolgreich! Gemeinsam haben wir es geschafft eine Summe von 2811,20 Euro zu sammeln.
Ab Kilometer 35 hing meine Zunge auf dem Boden und die 11 Liter Wasser, die ich mir während des Laufens in den Körper gekippt hatte, kamen aus allen Poren wieder raus. Doch durch den Ehrgeiz und den Gedanken an die Spendenaktion angespornt, habe ich die Geschwindigkeit nicht verringert und mich, gemeinsam mit Benedikt(Freund), ins Ziel gekämpft. Die Fotos hat er mir leider noch nicht zugeschickt, aber ich werde sie bei Gelegenheit nachreichen. Kommende Woche habe ich ein Gespräch mit der Präsidentin von Casa do Menor. Gemeinsam werden wir überlegen, wie wir das Geld am sinnvollsten nutzen können...

Die Woche nach dem Marathon hatte ich frei. Deshalb konnte ich die Zeit zum Entspannen der, von Muskelkater geplagten, Beine nutzen. Wir entschieden uns. dass die beste Art zum Lockern der Beine Schwimmen sei. So kam es, dass Carl, 3 Freunde und ich am Mittwochmorgen in das 3 Stunden entfernte Arraial do Cabo fuhren. Dort hatten wir genügend Zeit um die verlassenen Strände ganz alleine zu entdecken...



...mit einer Bootsfahrt die (nachweislich) zweitschönsten Strände Brasiliens anzufahren...



...und die beruehmte "gruta azul"...


...auf den Schneeweissen Dünen Sandboard zu fahren...wunderschöne Landschaften zu entdecken(leider Naturschutzgebiet und man konnte nicht auf den Baum klettern)....



....morgens am Strand zu joggen....





...oder die wunderschöne Tierwelt tauchend erkunden....




Doch auch der schönste Urlaub geht irgendwann zu Ende. Es bleibt meistens nicht mehr als Fotos, Erinnerungen, lustige Geschichten und die braune Farbe. Doch auch Rio bietet viele schöne Orte und zwingt einen quasi dazu diese zu entdecken...

Da ist zuerst natürlich die weltberühmte Christusstatue. Also hier auch das typische “ichwarinRio”-Touristenbild;) ....





Oben vom Christus kann man über ganz Rio schauen und wunderschöne Fotos schiessen, doch jetzt weiss ich dass es auch schönere Orte dafür gibt....

Die letzten Tage des einjährigen Brasilienaufenthaltes wollte Oli hier bei uns verbringen, bevor er mit dem Flugzeug aus São Paulo wegfliegt. Oli ist ein guter Freund, den wir auf dem Fid-Seminar kennen gelernt haben. Durch die viele Zeit, die wir gemeinsam in Salvador und auf der Insel Boipeba verbracht haben, kannten wir unsere gemeinsamen Interessen.....So kam es das wir die Berge und Naturparks rund um Rio unsicher machten.

Erster Gegner “Pedra da Gávea”.


Nachforschungen im Internet brachten ein eindeutiges Ergebnis: Schwerste Wanderung Rio de Janeiros mit grossen Kletterstücken....

So machten wir uns zu zweit, mit Rucksäcken voller Essen und Wasser an den Aufstieg. Der Wanderweg begann sehr steil und schwer, aber bereitete keinerlei Probleme. Erst als wir 3 Stunden später erschöpft auf dem höchsten Punkt des Berges sassen wussten wir warum die 1,67km lange Wanderung so gefürchtet ist. Vor ca. einem Monat habe ich innerhalb von 3 Stunden eine Distanz von 35km zurückgelegt. Doch es lag nicht etwa an den kleinen Pausen um....




...Affen zu füttern....




...oder Fotos auf halber Höhe zu schiessen....


Nein. Es waren die 844 Höhenmeter, die man hochsteigen musste. Grosse Stücke der Wanderung brauchte man die Hand an Wurzeln, Felsen, Bäumen, Sträuchern und Gräsern zum Abstützen und Hochziehen. An einer Stelle kurz vor Ende musste man eine grosse Felswand kletternd überwinden, um zum oberen Teil des Berges zu gelangen. Doch oben angekommen konnte man vor Staunen gar nicht mehr aufhören von einer Kante des Berges zur anderen zu laufen. Nach einem guten Essen legten wir ein Mittagsschlaf ein. Da niemand ausser uns auf diesem Berg war, mussten wir auch keine Angst um Rucksäcke oder Kameras haben. Doch als wir aufwachten hatte sich aufgrund der Höhe eine Wolke um den Berg gelegt...




....und wir ärgerten uns noch keine Fotos geschossen zu haben... Die dann noch geschossen Fotos wirken ein wenig farbenarm...




...aber vielleicht kann man sich vorstellen, das es hinter mir und auf der linken Seite ca. 200m glatte Wand runter geht. Eigentlich muesste es bei uns auch so aussehen...
...dafuer waren bei uns aber keine Menschen auf dem Berg:P
Generell sieht der Berg eigentlich von weiter weg unbesteigbar aus. Nach des Abstiegs, beim Sonnenuntergang am Strand, überlegten wir uns das Programm für den kommenden Tag....

Zweiter Gegner “Pico da Tijuca”. Höchster Berg in der Stadt von Rio de Janeiro.


Gemeinsam machten sich Carl, Antonia, Oli und ich auf den Weg die 1012m Höhe zu bezwingen. Der “Pico da Tijuca” liegt umgeben von dem riesigen Nationalpark direkt am Stadtrand von Rio.



Nach der ca. 1Stündigen, mittelschweren Wanderung bot sich uns ein richtig schöner 360Grad Blick. Auf der einen Seite die Stadt Rio...auf der anderen die grosse Ebene der Baixada Fluminense(unser Zuhause)...und natürlich der riesige Nationalpark von Tijuca.
Der Blick von oben auf Rio de Janeiro ist unglaublich schön und deshalb auch eines der häufigsten Postkartenmotive. Die Gegensätze von Meer, Land, Bergen, Stränden und Stadt bilden eine wunderschöne Aussicht....

Danach fuhren wir nach Barra da Tijuca. Dort gingen wir am Strand baden und konnten danach frischgewaschen nach Maracanã fahren.


Dort schauten wir uns ein Spiel von Flamengo an, meiner Meinung nach das beste Team Rio de Janeiros. Aber das ist hier eines der beliebtesten Themen. Vasco, Botafogo, Fluminense oder Flamengo. 4 grosse Fussballteams, die alle in Maracanã spielen. Das Stadion, das fast 100.000 Fans fasst, war leider nicht ganz voll, aber dennoch war gute Stimmung. Müde ging es dann abends nach Hause......

Abgesehen von den ganzen Ausfluegen habe ich in letzter Zeit viel im Kindergarten gearbeitet. Dort war einiges zu reparieren. Angefangen bei der Pumpe, die den ganzen Kindergarten mit Wasser versorgt. Es ist immer schoen zum Kindergarten zu gehen, weil man sieht dass einen die Kinder tatsaechlich vermissen wenn man nicht da ist. Sie fragen immer die anderen warum ich nicht mehr kommen wuerde und lassen mich gruessen. Wenn ich so etwas hoere bin ich immer sehr gluecklich und weiss dass die Zeit nicht verschwendet war....


...sooo das war was ich in letzter Zeit gemacht habe. Ansonsten viele Gruesse nach Deutschland. Ich wuensche euch allen schoene Ferien..........ach und herzliche Glueckwuensche an Molle, der heute Geburtstag hat!
Basti

Montag, 29. Juni 2009

Rio Marathon 2009

So ich habe es tatsaechlich geschafft....

Platz: 351
Startnummer: 2919
Name: BASTIAN KARSTADT
Alter: 20
Altersklasse: M0024 (21-24)
Team: CASA DO MENOR SÃO MIGUEL ARCANJO
Zeit: 03:30:46

Diese Informationen habe ich aus der Ergebnisliste im Internet...Erstmal moechte ich allen Sponsoren meines Spendenlaufs danken. Es ist eine grosse Summe zusammengekommen und ich bin froh die Kinder so unterstuetzen zu koennen. Aber genauere Informationen ueber die Spenden gibt es demnaechst. Hier ist noch ein Zeitungsartikel ueber meinen Lauf, den ich bis heute noch gar nicht gesehen hatte:

Basti rennt fuer Casa do Menor

Heute sitze ich hier mit Muskelkater in den Beinen und schaue froh zurueck auf diesen wunderschoenen Marathon.

Wie man auf der Karte schoen sehen kann ging der Lauf unter den ausgebreiteten Armen des Christus vorbei an weltberuehmten Straenden wie Ipanema und Copacabana bis zum Ziel kurz hinterm Zuckerhut. Es war eine wunderschoene Kulisse, die einen gerade in den schwierigen Kilometern immer wieder zum weiterlaufen animierte.
Auch die fehlende Dusche nach dem Marathon konnte durch das Meer ersetzt werden....

Ansonsten werde ich kommende Woche einen neuen Blog schreiben, weil ich wahrscheinlich mir diese Woche ein wenig Urlaub goenne. Nicht etwa wegen des Marathons, sondern weil ich eine neue Arbeit bekommen werde. Ich werde bald Vater.....

....von ca 14 Jungs im Alter zwischen 14 und 16 Jahren. Sozialvater in einem Haus, das vorraussichtlich in 2 Wochen oeffnen wird. Bis dahin habe ich ein wenig Zeit fuer mich und kann mich auf diese anspruchsvolle, aber von mir gewuenschte Arbeit, vorbeireiten. Ich freue mich schon sehr....


soweit liebe Gruesse und nochmal vielen Dank an ALLE aus Miguel Couto

Basti

Freitag, 8. Mai 2009

Mein April

Lange ist es her....

Doch jetzt komme ich mal wieder zum schreiben. Seit dem letzten Eintrag ist viel passiert...Zum Beispiel ist mein Laptopladegerät kaputt und ich komme nicht an den angefangenen Blog. Außerdem habe ich gerade eine E-Mail bekommen, dass auch meine Monatsberichte schon erwartet werden. Also muss ich nun in den sauren Apfel beißen und sowohl den Blog, als auch die Monatsberichte neu schreiben, weil ich nicht weiß wie lange die Post nach Brasilien dauert, um mir ein Netzteil zu beschaffen...

Es war ein Montag Ende März, als Carl seine Sachen packte, in den Flieger stieg und sich auf den Weg nach Santana de Ipanema machte. In dieser Kleinstadt, die ca 1500km von hier entfernt, im Nordosten Brasiliens, liegt, hat Casa do Menor ein Haus und arbeitet auch mit Straßenkindern. Mir ein 12qm großes Zimmer zurücklassend, trat er mit großer Freude die Arbeit dort an und scheint sich auch sehr wohl zu fühlen. Den Samstag und Sonntag verbrachten wir aber noch gemeinsam mit 2 deutschen Freundinnen, die wir vom Seminar kannten, um ihnen Rio zu zeigen. Bei dieser Gelegenheit erklommen wir einen Berg um uns Rio bei Nacht anzuschauen.

Alleine mit Toni, umgeben von vielen Italienern, mitten in der Baixada von Rio nutzte ich in letzter Zeit jede Möglichkeit um „raus“ zu kommen und ein wenig Abstand zu nehmen. Denn aus Sinnlosigkeit oder Spaß am Umorganisieren wurde ich aus meiner geliebten Arbeit in Casa Angelo gezogen und für 5 Tage wöchentlich in den Kindergarten gesteckt. „Du arbeitest so viel und gut, wenn du nicht 5 Tage die Woche im Kindergarten helfen möchtest, muss ich ihn schließen“ war die Aussage des Verantwortlichen. So blieb mir natürlich keine Wahl und ich habe mich der Aufgabe gestellt....So kam es das ich viele Dinge mit Toni unternommen habe.

Ein komisches, modernes Museum in Rio und danach durch die Stadt spazieren.

Mit Freunden bei Sonnenschein das Schwimmbad in einem natürlichen Fluss, mit „Wasserfall“ in Tingua genießen.

Auf den Ruinen einer ehemaligen Sklavenfarm rumklettern und die Natur bei einem Spaziergang genießen. Ja wir haben tatsächlich, in der Nähe unserer manchmal doch sehr lauten Stadt, ein paar ruhige Flecken Natur gefunden.


Im Nationalpark von Petrópolis durch die Berge und den Urwald wandern, über Felsen klettern, Bäche bestaunen, unter einem Wasserfall duschen.....und so einfach ein Wochenende verbringen. Dabei ist der Traum einer noch viel größeren Wanderung entstanden. Es gibt einen Weg, der 30km über die Gipfel der Berge am Rande des Bundesstaates Rio de Janeiro führt. Dieser Weg ist so schwierig zu wandern, das man 3 Tage benötigt, Zelt, Schlafsack und Essen mitnehmen muss und einen Führer braucht. Dafür wandert man quer durch den Natinonalpark und hat eine wunderschöne Aussicht, von ca. 2000m Höhe über ganz Rio.

Einfach mal raus. Mit Felipe, einem guten Freund, ins Flugzeug gestiegen und nach Campinas(Stadt nah bei Sao paulo) geflogen. Dort Samstag in einem Erlebnispark und Sonntag in der Stadt verbracht. Es war ein superschönes und lustiges Wochenende, hat mich aber doch zum Nachdenken gebracht. Es war das erste Mal, dass ich richtig das „andere“ Leben Brasiliens erlebt habe. Während dieser Tage, im Flugzeug, im Hotel, im Erlebnispark und im Shoppingcenter der Stadt war ich umgeben von hellhäutigen, ordentlich gekleideten Menschen. Ganz selten hat man mal einen richtig dunkelhäutigen Menschen gesehen und wenn dann gehörte er mit großer Wahrscheinlichkeit zum Putzpersonal. Dort fiel mir ganz bewusst diese große Trennung zwischen der Schichten Brasiliens auf. Hier gibt es viele Arme, viele Reiche, aber nur eine kleine Mittelschicht. Diese Trennung ist sehr groß und man hat das Gefühl es wird nicht dagegen gearbeitet, sondern im Gegenteil. Hier in Rio liest man nun in Zeitschriften von den Plänen die Favelas noch mehr von der Stadt abzugrenzen, es werden Mauern gebaut. Ich möchte nicht so weit gehen wie manche Kritiker, die Vergleiche mit der deutschen Mauer aufstellen, aber wenn man ein bisschen hinter den Zeilen liest wundert man sich doch ein wenig. Die Mauern, von einer Höhe über 3m, sollen neue Häuser in den geschützten Wäldern, an den Berghängen vermeiden, so die offizielle Begründung. Doch auch die Journalisten sind sich einig, dass es mehr Gründe gibt.... Es koennte bei einem Einmarsch der Polizei fliehende Drogendealer aufhalten und deren Flucht in die Waelder verhindern. Aber eigentlich hat man eher das Gefuehl, dass die Favelas von der restlichen Stadt isoliert werden sollen. Denn betroffen, von den ueber 700 Favelas(Zahl variert je nach Quelle....meine Zahl stammt aus dem Reisefuehrer „Rio de Janeiro“ von Lonely Planet), sind lediglich 12 in der Zona Sul und eine Favela in der Naehe von Botafogo. Zona Sul(Copacabana, Ipanema, Leblon) und Botafogo sind die schoeneren Stadtteile Rios, in denen die reiche Bevoelkerung wohnt. Es scheint also, als ob die Regierung versucht die Armen in ihren Teilen der Stadt zu halten. Das ganze wird noch verstaerkt durch die Plaene Supermaerkte in den Favelas zu errichenten, dass die Leute nicht mal mehr zum Einkaufen ihr Viertel verlassen muessen.

Doch nach diesem Wochenende, wo Essen sogar fuer europaeische Verhaltnisse nicht guenstig war ging es wieder zurueck mit dem Flugzeug in die Baixada von Rio. Dort begann montags auch direkt wieder der Alltag im Kindergarten. Die Kinder stellten dann wieder das krasse Gegenteil des Wochenendes dar. Kinder aus Familien der untersten Gesellschaftsschicht, die nicht mal von solch einem Wochenende trauemen koennen. Familien, die teilweise Probleme haben die 3Euro Kindergarten Beitrag zu bezahlen. (Eine Mutter hat ihrem Sohn einen ganz ehrlichen Brief mitgegeben, in dem sie erklaerte dass sie ihren Sohn aus dem Kindergarten nehmen muss, weil sie keinerlei Moeglichkeiten sieht dieses Geld aufzubringen und dass sie aber dann in grosse Schwierigkeiten kommt ihren Sohn zu ernaehren) Familien, die in unmenschlichen Verhaeltnissen wohnen. Kinder mit diversen Verletzungen, ohne richtige medizinische Versorgung. Kinder aus grossteils kaputten Familen, alleinerziehende Muetter, Nachbarn die sich um die Kinder kuemmern. Diese Kinder kommen gerne in den Kindergarten, obwohl auch dieser Ort keine richtigen Spielmoeglichkeiten fuer die Kinder bietet......

....so muss dann halt das kleine Beet mit seiner Erde, aus dem ich die Graeser entfernt habe als Sandkasten herhalten....

...oder die trockenen Blaetter, die ich von den Bananenstauden entfernt habe als weiche Matte....das ist die schoene Seite des Alltags der Kinder. Gluecklich spielen sie gemeinsam mit ihren Freunden mit den Moeglichkeiten die sie haben.

Wie man auf den zwei obigen Bildern schon bemerkt habe ich ein wenig meine Arbeit im Kindergarten gefunden. Aufgrund mangelnder Werkzeuge habe ich angefangen den Garten des Kindergartens wiederherzustellen. Denn die wichtigsten Gartenwerkzeuge habe ich (Schippe, Spaten, Machete), auch wenn mir gestern ein Stiel gebrochen ist und ich nicht weiss wann und ob das Geld kommt um einen neuen zu kaufen. Als ich im Kindergarten ankam war der Garten total zugewachsen. So habe ich damit angefangen den Garten aufzuraeumen...Nach dem Aufrauemen habe ich mit dem Bepflanzen angefangen. Ich habe zwei kleine Papayabaeume eingpflanzt, eine Ananasstaude und Zuckerrohr. Demnaechst werde ich noch Maniok pflanzen, aber dafuer muss der Alte erst reifen. Ansonsten kuemmere ich mich um die schon bestehenden Pflanzen. Ich schneide die Acerolastraeucher und befreie die Bananen von ihren trockenen Blaettern. Diese Arbeit traegt natuerlich auch ihre Fruechte.....

...so ernte ich reife Bananen, Papayas, Acerolas und manchmal schneide ich Zuckerrohr, fuer die Kinder zum Lutschen. Jetzt fange ich damit an das grosse, ungenutzte Grundstueck, auf dem Berg ueberhalb des Kindergartens, von dem Pflanzen zu befreien. Dieses Grundstueck gehoert auch Casa do Menor und koennte schoenen Platz fuer die Kinder zum Spielen bieten, aber es ist komplett zugewuchert mit riesigen, dornigen Straeuchern. Ich denke das wird mich noch einige Wochen beschaeftigt halten...Ansonsten spiele ich gerne mit den Kindern ein wenig Ball oder tobe einfach mit ihnen auf der Wiese, wenn sie „Spielstunde“ haben. Das freut sie immer...


.....das ist meine momentane Arbeit. Ansonsten habe ich jetzt angefangen ein wenig zu laufen, denn ich werde den Rio Marathon am 28.Juni mitlaufen. Diesen Lauf moechte ich nutzen um Spenden fuer mein Projekt zu sammeln. Viele aus dem Theresianum werden den Spendenlauf kennen, wo man fuer jeden Kilometer einen gewissen Betrag bekommt. Sollte dieser Betrag auch noch so klein sein kommt doch im Endeffekt dann ein wenig Geld zusammen. Dieses Geld steht mir dann hier vor Ort zu Verfuegung, um es hier im Projekt gezielt einzusetzten, wo es benoetigt wird. Ich wuerde mich ueber Mithilfe freuen. Vielleicht moechte sich ja jemand von euch, eure Eltern, ein Verein, eine Jugendgruppe oder Papas Firma;) beteiligen. Die ganzen Informationen sind nochmal hier nochmal zusammengefasst:


Anschreiben
Das Projekt

Wie kann ich spenden?


Liebe Gruesse soweit hier aus Rio, ihr fehlt mir alle sehr!
Basti



Mir ist gerade aufgefallen, dass ich auf manchen Bildern kein T-Shirt anhabe. Ich habe aber meistens keine anderen Bilder gefunden, was an meinem zwangshaften Exibitionismusl iegt und nicht etwa daran, dass ich ohne t-Shirt schwimmen gehe oder einfach an der Hitze...



Freitag, 20. März 2009

So!

Heute ist Mittwoch, irgendwann mitten im März. Vor ca. 15min bin ich nach Hause gekommen, von meiner Arbeit aus dem Kindergarten. Die Rückfahrt ist immer dasselbe langweilige Ereignis. Man steigt in den Bus, bezahlt, setzt sich ans Fenster, schaut gelangweilt wie der Bus Staub aufwirbelt, schwitzt, verflucht die Sonne, steigt aus, läuft nach Hause und dort kann man direkt wieder duschen….
Heute sollte alles wie immer kommen. Doch eine Entscheidung beeinflusste mein Schicksal. Als der Bus 421 kam entschied ich mich 10Centavos( 0,03€ ) zu sparen und den Bus 530 zu nehmen. Noch während der Bus um die Straßenecke verschwand fing es an zu schütten, wie ich es hier noch nie erlabt habe. Doch der andere Bus kam nicht und ich wartete über eine halbe Stunde unter einem mäßig dichten Wellblechvordach. Während dieser Zeit konnte ich ganz in Ruhe das Naturschauspiel beobachten. Der Regen spülte den Schlamm von den am Berg liegenden Favelas ins Tal. Die Straße vor mir verwandelte sich in einen „Fluss“, weil die Kanalisation total überfordert war. Kein Auto fuhr mehr, die Fahrradfahrer wurden zum Absteigen gezwungen und die Fußgänger machten keine glücklichen Gesichter. Als nach einer Ewigkeit sich ein Bus durch die Wassermassen schob, wurde ich gezwungen meinen sicheren Standpunkt zu verlassen und 2m durch den „Fluss“ zur Bustür zu gehen. Kurz vor dem Einsteigen merkte ich, wie sich meine Flipflops von den Füßen lösten und von den Wassermassen unter den Bus geschwemmt wurden. Spätestens dort musste ich mir eingestehen, dass es sich nicht lohnte die 10Centavos zu sparen. Im Bus war eigentlich ganz lustige Stimmung. Ein Mann sagte beim Einsteigen „was ein Luxus! Schwimmbad im Bus!“ Dann konnte man beobachten wie vom Bus ausgelöste Flutwellen die Geschäfte am Rand überfluteten und wie Leute, die schon bis über die Knie im Wasser standen einen nassen Bauch bekamen. Als ich dann endlich nach Hause kam, war ich komplett nass und konnte schon wieder über die ganze Aktion lachen….
Ansonsten war ich am Montag mal wieder ein wenig in Rio unterwegs. Dieses Mal konnte ich mit Toni die Schönheit Rios von oben erblicken. Nach einem Spaziergang durch Urca, das Dorf am Fuße des Zuckerhuts, umrundeten wir einen Berg und standen auf der anderen Seite an einen kleinen Strand. Dort machten wir kurze Pause, um einen Kuchen als Mittagessen zu verdrücken. Anschließend begaben wir uns auf einen kleinen Weg und machten uns an den Aufstieg zu dem Berg, auf dem sich die erste Gondelstation auf dem Weg zum Zuckerhut befindet. Dieser kleine, steile Weg geht über Felsen und umgefallene Bäume durch einen wunderschönen Wald aufwärts. Fast oben muss man sich dann entscheiden, ob man den linken Weg zur ersten Gondelstation einschlägt oder den rechten, wo man den Zuckerhut mit Bergsteigerausrüstung beklettern kann.(man kanns auch ohne versuchen, nicht Oli?!) Jetzt weiß ich, dass der Plan des Bekletterns des Zuckerhuts, den ich schon die ganze Zeit habe, auch in die Wirklichkeit umgesetzt werden kann. Beste Leben!
Oben auf der Gondelstation angekommen mussten wir uns den Platz leider mit den Touristen teilen, die mit der Gondel kamen. Aber der Ausblick war, obwohl wir noch nicht ganz auf dem Zuckerhut waren, wunderbar. Aufgrund der leeren Kamerabatterie sind aber nicht sehr viele Fotos entstanden, aber das wird nicht das letzte Mal gewesen sein. Vielleicht geht es schon jetzt am Wochenende, wenn Caro und Bekki, 2 Freundinnen vom Fid-Seminar, kommen wieder dorthin….
So das waren meine letzten 3 Tage. Ich hoffe bei euch ist alles soweit fit…….liebe Grüße nach Deutschland

Basti


wär ich ein Mädchen hätte ich vielleicht geschrien süüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüß!!! So habe ich mich während des Aufstiegs einfach nur dran erfreut mit welcher Leichtigkeit sie von Baum zu Baum hüpfen



Oben angekommen! Aber mit Blick aufs Meer nicht auf die Stadt. Die Fotos kommen wann anders...

Dienstag, 10. März 2009

neue Arbeit

Moin!

Ich dachte ich schreibe mal wieder was. Denn letzte Woche hat sich meine Arbeit geändert. Vielleicht interessiert es ja die Leute, die immer noch meinen Blog verfolgen, was ich jetzt mache…

Die Gründe für den Wechsel meines Arbeitsplatzes sind leider nicht ganz freiwillig. Es fing im Januar auf einem Treffen der Freiwilligen mit der Präsidentin an. Lucinha, die Präsidentin, möchte die Arbeit der Freiwilligen „sinnvoller“ nutzen. So haben alle Freiwilligen von Casa do Menor eine neue Aufgabe bekommen. Manche haben Glück gehabt und haben jetzt eine schönere Arbeit als vorher, andere nicht. Meine Energie und Stärke war für die Lagerarbeit vorgesehen. Da ich bei meinem Praktikum tagelang Schrauben im Lager gezählt habe wusste ich sehr gut was mir bevorstand. Also habe ich mich mit Carls Hilfe gewehrt und konnte eine Arbeitsstelle im Kindergarten raushandeln. So diese Arbeit hat letzte Woche Mittwoch begonnen. Ich arbeite ab jetzt Mi, Do und Freitag im Kindergarten und am Wochenende in Casa Angelo. Die Weise, wie man eine Arbeit anpackt, ist natürlich von der eigenen Motivation abhängig. Dass diese nicht sehr groß ist, wenn man eine Arbeit aufgezwungen bekommt ist verständlich. Dennoch möchte ich sehr neutral von meinen ersten 3 Arbeitstagen im Kindergarten berichten.

Erstmal habe ich Antonia geholfen, denn sie hat die Verantwortung über eine ganze Klasse übertragen bekommen und das ist sehr viel Arbeit. Gemeinsam haben wir versucht die 11 Kinder zum Lernen zu bewegen oder Dinge mit ihnen zu spielen. Dies ist die Klasse mit den größeren Kindern, bis zu 6 Jahren. Hier in Brasilien ist es normal, dass man schon im Kindergarten anfängt zu lernen. So muss man versuchen die aktiven Kinder, die lieber auf dem Tisch rumtanzen, zum Stillsitzen zu bewegen. Dies ist, wie man sich vorstellen kann, sehr schwierig, wenn nicht sogar fast unmöglich. Wenn dann ein Großteil der Kinder sitzt und halbwegs zuhört, soll man ihnen etwas beibringen. Momentan lernen die Kinder die Körperteile. Dann muss man singen „Die Ohren sind zum hören, die Nase zum riechen…“ Ich muss sagen, ich bin froh, dass ich als Kind mich im Kindergarten austoben konnte, wie ich wollte. Ich weiß nicht, ob ich gerne ruhig am Tisch gesessen hätte. Vielleicht hätte ich ja auch lieber auf dem Tisch gestanden?! So war ich natürlich sehr froh, als die Spielzeit auf dem Hof begann. Dass die Kinder kein Fußball spielen können war zwar sehr enttäuschend, aber wenigstens durften sie sich ein wenig bewegen. Auch die anderen Spiele sind meistens am Verständnis für Regeln gescheitert und haben so nach 5min niemandem mehr Spaß gemacht….

In Zukunft werde ich aber auch dafür zuständig sein die schweren Sachen einzukaufen und die Hausmeisterarbeiten zu erledigen. Das heißt Dinge reparieren und das Grundstück pflegen. Ich denke, es gibt genug zu tun und mir wird nicht langweilig werden…

Vielleicht kann ich noch den Sinn des Kindergartens ein wenig beschreiben, um die Gesamtsituation verständlich zu machen. Der Kindergarten befindet sich in einer Favela, wo Menschen in ärmsten Verhältnissen wohnen. Da viele Familien kein Geld für Essen oder einen Wasseranschluss haben, stehen diese Dinge im Tagesablauf im Vordergrund. Es gibt 3 Mahlzeiten, wo darauf geachtet wird, dass jedes Kind genug isst und mittags werden die Kinder geduscht. Nach dem Wochenende essen die Kinder wohl immer besonders viel, weil sie teilweise am Wochenende nix oder wenig zu essen hatten.

In ganz vielen Reispaketen und Nudelpackungen waren Tiere, die aus den Nahrungsmitteln geschlüpft sind. Diese wurden in die Sonne gelegt, wo angeblich die Tiere dann abhauen. Nachmittags waren die Mütter dann sehr froh sich diese mit nach Hause nehmen zu dürfen, um was zu Essen zu haben….

Mein Wochenende war sehr schön. Die Jungs von Casa Angelo haben sich riesig gefreut, dass ich Samstagmorgen plötzlich da war. Da ich erfahren hatte, dass das Schwimmbad der CIDAH gereinigt wurde, machten wir uns auf den Weg zum schwimmen. Da der Weg von dem Haus zur CIDAH recht weit ist hat uns die Mãe social Kekse und Saft mitgegeben, dass wir solange bleiben können wie wir wollten. Die Kekse wurden uns zwar geklaut, aber wir durften in Casa Vida zu Mittag essen. So kam es dass wir von 9 Uhr bis 16Uhr nichts anderes gemacht haben als Fußball zu spielen und zu schwimmen. Um 16Uhr gingen die Kinder dann nach Hause, während ich mit den Männern von der Academia noch 2 ½ Stunden Fußball gespielt habe. Danach schnell duschen und dann wieder nach Casa Angelo, wo ich dann auch die Nacht verbrachte. Am Sonntag ging es wieder los zum schwimmen. Diesmal haben wir aber auf die Kekse aufgepasst….

Sonntagabend ging es dann mit Carl und Toni los nach Nova Iguaçu. Dort trafen wir 4 andere deutsche Freiwillige, die hier ganz bei uns in der Nähe wohnen und arbeiten. Der Abend war sehr lustig….blablabla heute habe ich frei und bin ganz froh, dass es ein wenig abgekühlt ist und nicht wie die letzte Woche ständig die 40°C erreicht ….Ich hoffe euch geht es allen soweit gut! Ganz liebe Grüße nach Deutschland! Und allen, die ihr Abitur bestanden haben oder noch bestehen werden(drück dir die Daumen Martin!) herzliche Glückwünsche, würde gerne mit euch feiern…

Basti



P.S: GANZ WICHTIG!!! CArl hat ein Video über unsern Urlaub zusammen geschnitten. Das ganze kann man sich in unserm VideoBlog anschauen. Link dazu rechts auf der Seite...

Sonntag, 1. März 2009

Salvador, Seminar, Urlaub

Hey!
Ich hoffe ihr habt Fastnacht, Karneval, Fasching oder wie auch immer man es in eurer Region nennt gut überstanden. Ich habe lange nichts mehr geschrieben. Dies hat nichts mit Faulheit oder Mangel an neuen Erlebnissen zu tun. Ganz im Gegenteil ich war sogar immer sehr gewillt etwas zu schreiben und habe auch genug erlebt um viele, viele Seiten zu füllen. Der Grund war ich hatte Urlaub. Ich für meinen Teil habe gesagt im Urlaub muss man auch mal ganz abschalten können und nicht die ganze Zeit am Internet hängen....Diesen Blog möchte ich aber nicht mit Unmengen an Text füllen, deshalb fasse ich alles nur kurz zusammen.

Sonntag (1. Februar 2009): Cicero hat sich vorgenommen Basti ein wenig Rio zu zeigen. Morgens geht’s los zu einer Messe in einer schönen großen Kirche an der Copacabana. Diese Messe ist das Gegenteil zu den Messen in Miguel Couto. Hier sind wenig alte, reiche, weiße Leute in einer schönen, großen, alten Kirche. In Miguel Couto sind viele junge, arme, schwarze Menschen in einem großen Raum mit Altar. Das zeigte mir sehr deutlich den Unterschied der verschiedenen Gesellschaftsschichten. Danach an der Copacabana schwimmen und spazieren. Mittagessen in Casa Rafael in Lapa. Gegen 2 Uhr gingen wir in Ciceros Sambaschule. Dort konnte ich sehen, wie die verschiedenen Tänze für Carneval eingeübt wurden. Anschließend zog die Sambaschule durch den Stadtteil, so wie sie auch später an Carneval durch den Sambadrom tanzen werden. Spätabends gingen wir dann noch mit anderen Freunden an eine Lagune, wo zwei riesige Bühnen aufgebaut waren. Erst war von Furacão 2000 jemand da und hat die 40.000Menschen mit Funk-Musik versorgt. Anschließend kam O-Rappa(eine ganz bekannte brasilianische Gruppe)….

Am Mittwoch (4. Februar 2009) geht’s los nach Salvador, wo ich Carl am Flughafen treffe. Dort werden wir dann auch von Martin, einem deutschen Freund, abgeholt. Martin arbeitet schon seit fast einem Jahr, in einer der ärmsten Favelas Salvadors, mit den Menschen und Kindern dort. Als wir ihn damals bei seinem Besuch hier in Rio getroffen haben, kam die Idee auf vielleicht ein wenig Zeit vor und nach dem Seminar bei ihm zu verbringen. Das ist sehr schön, denn Martin ist ein sehr netter Mensch und konnte uns viele interessante Dinge von seiner Arbeit und der Umgebung erzählen. Gemeinsam besichtigten wir dann auch Bonfim, eine ganz bekannte Kirche in Salvador.




Carl & Martin vor der Skyline von Salvador




Julias Teddy kennt jetzt viel von Brasilien. Favelas, Großstädte, verlassene Traumstrände…er hat mich immer begleitet!

Freitag (6. Februar 2009) machten wir uns auf den Weg zum Fid-Seminar(Freiwillige Internationale Dienste). Dort trafen wir auf viele andere deutsche Jugendliche, die auch grade ihr FSJ hier verrichten. Dieses Seminar war eine superschöne Woche. Angefangen bei dem Haus und der schönen Lage direkt am Strand. Dort habe ich viele total coole Leute kennen gelernt. Das Seminar gab viel Zeit zum erzählen, austauschen, zuhören, helfen, ermutigen…..Aber auch die Zeit ohne Programm füllte sich immer selbst mit Dingen wie schwimmen, Palmen klettern, Türme im Wasser bauen, Indiaka spielen….Die Zeit war im Endeffekt, obwohl wir die Tage immer bis 3Uhr in die Nacht verlängerten, doch zu kurz und so entschlossen wir uns nach dem Seminar noch etwas zu machen. Also machten sich am Freitag (13. Februar 2009) 7 Leute auf den Weg zur Insel Boipeba. Die etwas abenteuerliche Fahrt mit Bus, Bus, Fähre, Auto, Bus, Boot brachte uns Samstag gegen 9Uhr auf die Insel Boipeba. Dort fanden wir heraus dass die Strände der Reisekataloge nicht auf Fotomontage beruhen. Ich kann diese Schönheit nicht beschreiben. Vielleicht schaffen die Fotos zu zeigen was ich meine, auch wenn sie nie so schön sind wie das was das Auge sieht. Wir verbrachten 4 wirklich schöne, ruhige Tage auf der Insel und entspannten mal ein wenig…
Am Dienstag kehrten wir nach Salvador zurück und schauten uns noch ein wenig die Stadt an, bevor wir uns Donnerstagabend in den berühmten Carneval von Salvador stürzten und dort die ganze Nacht durchfeierten und tanzten….Die 33stündige Busfahrt von Salvador nach Rio de Janeiro zeigte uns dann die wahre Größe Brasiliens….Der Carneval hier in Rio war dann ein wenig überschattet und nicht das wovon ich immer geträumt habe…


Ich hol mir mein eigenes Andenken vom Seminar, hat gut geschmeckt…





Wir hatten viel Spaß auf dem Seminar. Ob am Tag, in der Nacht, oder wie hier bei Regen am Lagerfeuer…





Wir sind reif für die Insel, lasst uns chillen…….





Carl & Basti auf großer Tour










An dieser Stelle muss ich mich für den kurzen Bericht entschuldigen, aber ich kann die ganzen schönen Bilder aus meinem Kopf nicht rausholen… Dann möchte ich noch Martin und Julia danken, die uns ein Dach über dem Kopf boten. Dann liebe Grüße an meine Reisecrew( Oli, Merle, Rosa, Caro, Becci und natürlich Carl). Liebe Grüße auch nach Deutschland! Ihr fehlt mir!
Basti